Das Konzept

der Evangelischen Stephanus-Grundschule Pritzwalk

Unser Credo

Es kann nur noch ein Bildungsziel geben, eine Generation so auszubilden, die zum Wandel befähigt ist und von dem Grundvertrauen (Hoffnung) getragen wird, den Wandel gesamtgesellschaftlich positiv gestalten zu können.

Wenn Situationen sich ändern, bedarf es derer, die über ein Maximum an Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen und den Mut haben, neue, eigene Wege zu gehen. Es bedarf der Vorstellungskraft von Veränderung, Mobilität und Neuanfang.

Wandel ist gekennzeichnet durch Vielfalt und Überlagerung. Es werden vor allem auch Fähigkeiten benötigt, die zur sozialen Integration beitragen und die Stabilität unserer Demokratie in der Zukunft sichern.

Wenn Bildung nicht in Verantwortungsübernahme und in gesamtgesellschaftliche Handlungstaten übergeht, sondern Gebildete in Räumen der Selbstbefriedigung festsitzen und Kommunikation sich in Echokanäle ereignet, dann ist dies eine Bildung, die in der Zukunft nichts mehr nutzen wird. Es ist verschenkte Bildung.

Stufen der Bildung

Inhalte der Bildung

Das Konzept im Überblick

Das Kurzkonzept der Evangelischen Stephanus-Grundschule im Kirchenkreis Prignitz können Sie entweder als PDF hier herunterladen oder sich als Volltext unten durchlesen.

„Scholae sunt humanitatis officinae, efficiendo nimirum, ut homines veri homines fiant.“

„Die Schulen sind Werkstätten der Menschlichkeit, sofern die bewirken, dass Menschen zu wahren Menschen werden.“

— J. A. Comenius

1. Allgemeine pädagogische Ausrichtung

Die Stephanus-Grundschule Prignitz ist eine konfessionelle Schule, die als evangelische Bekenntnisschule eigene Schwerpunktsetzungen und Akzente entwickelt. Unter Einbeziehung tradierter Elemente verfolgt sie eine moderne und zeitgemäße pädagogische Ausrichtung. Sie bereichert als kleine Grundschule mit geplant 72 Schülerinnen und Schülern die Bildungslandschaft der Prignitz. Die Stephanus-Grundschule steht allen Mädchen und Jungen im Grundschulalter unabhängig von ihrer sozialen Ausgangslange, ihrer Kultur und Religion offen. Sie orientiert sich an den Inhalten und Standards der evangelischen Schulbildung in der EKD bundesweit.

Die evangelische Stephanus-Grundschule ist ein Angebot für Familien, die sich mit der christlichen Werte- und Glaubensbetrachtung identifizieren oder dafür aufgeschlossen sind. Christlich sozialisierte Elternhäuser sind ebenso angesprochen wie Elternhäuser, die religiöse Perspektiven als Bereicherung verstehen. Christliche Schulen können als philosophische Schulen gedeutet werden, die durch eine Fülle an Narrativen das Mensch-Sein und Mensch-Werden besonders fokussieren. Der Lebensort Schule wird durch das verbindliche Angebot von Religionsunterricht, durch einen freiwilligen Vollzug von Ritualen und durch das Angebot wertorientierter Narrative besonders geprägt.

Christliche Schulen stehen auf folgendem Fundament:

  1. Kirche als starke Partnerin. Die evangelische Kirche nimmt einen Bildungsauftrag wahr, der beginnend mit der Reformation tief in der Ausrichtung der evangelischen Kirche verankert ist. Kirche weist Erfahrungen auf und agiert in einem starken Zusammenhalt mit vielen anderen christlichen Bildungsakteuren. Durch enge Kooperationen mit Kirchengemeinden und Kirchenkreis erweitert sich Schule als Lernraum.
  2. Rituale geben Halt. Zeitliche Rhythmisierung, Ritualisierungen und Zeiten der inneren Einkehr und Entspannung tragen den Ausbau einer evangelischen Schulkultur. Rituale beheimaten und schaffen wertvolle Strukturen. Sie bauen Ordnungen auf sowohl im Tages-, Wochen- und Monatsgeschehen wie aber auch im Jahreslauf. Eine breitangelegte Struktur der Fest- und Gedenkkultur wird vorgehalten.
  3. Werte geben Orientierung. Auf der Grundlage des Evangeliums agiert die Stephanus-Grundschule auf der Basis eines festen Wertegefüges, das durch die Trias: Liebe, Freiheit (Hoffnung) und Frieden (Glaube) bestimmt wird und durch biblische Texte getragen und hinterlegt ist. Ein festes Wertegefüge stärkt Menschen in zahlreichen Lebens- und Lernsituationen. Werte geben Orientierung und festigen Entscheidungen. Werte werden nicht nur als Wissen, sondern in einer christlichen Schulgemeinschaft zentral auch in Form von Haltungen und Handlungen transportiert.
  4. Narrative eröffnen Weitblick. Auf der Grundlage des Evangeliums und der Bibel sowie zahlreicher anderer christlicher Texte werden in der Tages-, Wochen-, Monats- wie aber auch in der Jahresstruktur zahlreiche Anlässe geschaffen, sich mit den alten menschlichen Weisheiten auseinanderzusetzen und sie in Bezug zu den eigenen Handlungsmustern und Erfahrungen zu stellen. Das menschliche Handeln ist in seinen Versäumnissen, seinen Schwächen, aber auch in seinen Möglichkeiten, Ungeahntes zu vollbringen, hoch komplex. Biblische Narrative ermöglichen eine umfassende Erkenntnis in Bezug zu den eigenen Handlungsmustern und den Verhaltensmustern anderer. Sie schaffen wertvolle Gesprächsanlässe und ermöglichen sozial-emotionales Lernen.

Die Schulkultur der Stephanus-Grundschule basiert auf einem Wertegefüge, das demokratische Bildungsprozesse fördert. Das Bildungsideal der Stephanus-Grundschule verfolgt den Ansatz, Menschen als allumfassende Persönlichkeiten bzw. „Gottes Kinder“ zu erziehen und zu bilden. Jeder Mensch verfügt über Potentiale, die es zu entfalten gilt.

2. Schulspezifische Profilfelder „Frei und geborgen handeln“

Als zentrales Leitbild und grundlegender Maßstab dient der Stephanus-Grundschule ein christliches Menschenbild. Dies gründet auf die Trias: Glaube (Frieden, innere Stärke), Liebe und Hoffnung (mit Visionen handeln). Aus diesen bestimmenden Denkrichtungen setzt das Schulkonzept drei Schwerpunkte, die als sogenannte Profilfelder Inhalt und Methoden bestimmen und das Fundament der schulischen Ausrichtung bilden; vereinfacht: frei und geborgen handeln.

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
— Korinther 13

Profilfeld I
Liebe–Gemeinschaft–Verantwortung (kooperativ)

Gott ist Liebe. Der Umgang mit den Nächsten und mit sich selbst, die Ausgestaltung von Gemeinschaft und Gesellschaft sowie die Heiligung der Schöpfung lassen sich aus dem Grundsatz ableiten, dass der christliche Gott „ein Gott der Liebe ist“. Im Kontext einer evangelischen Schule werden Bezüge, Strukturen und Inhalte geschaffen, die diesem Grundsatz Rechnung tragen. Liebe selbst ist kein messbarer Faktor. Indirekt zeigt er sich jedoch in passiven Formaten der Haltung und Betrachtung oder in aktiven Formaten der Entscheidung und Ausgestaltung. Sie ist ein „Geist“, der alles durchweht.

Organisatorisch schafft die Stephanus-Grundschule eine Balance zwischen individueller und kooperierender Unterrichtsarbeit, Jahrgangsmischung, vielfältigen und flexiblen Lernformen sowie Differenzierungen, etwa anhand diverser Materialangebote.

 

Profilfeld II
Innere Stabilität–Gesundheit–Nachhaltigkeit

Dieser Profilbereich verweist auf die innere, nachhaltige Verfassung des Menschen, auf innere Stabilität, einen Glauben an sich und das Leben. Es geht dabei um die inwendige Stärkung des einzelnen Menschen, aber auch um die Stärkung guter, gesunder und nachhaltiger Systemabläufe. Im christlichen Kontext drückt sich hier eine angstfreie, gottgeborgene Haltung der Zufriedenheit aus. Philosophische Bezüge zu Hartmut Rosa, zur Bildung für nachhaltige Entwicklung wie auch zur Achtsamkeitspädagogik lassen sich erkennen. Stille-Übungen, Andachten, Achtsamkeitsübungen werden gezielt als stärkende Elemente in den Unterricht eingebaut. Diese Übungsformate verknüpfen sich mit der Friedens- und Gesundheitsbildung sowie der Nachhaltigkeitslehre.

Gesundheit ist ein sehr umfassender Begriff, der an der Stephanus-Grundschule das körperliche und seelische Wohlergehen und die Zufriedenheit des Menschen ebenso im Blick hat wie auch den Erhalt und die Gesundung der Umwelt (Global Goals). Die seelische und körperliche Stärkung des und der Einzelnen steht unmittelbar im Bezug zur Schöpfungsbewahrung. Die heutige Lebenswelt stellt die nachwachsende Generation vor massive Herausforderungen und Fragen. Lernende müssen befähigt werden, gesundheitsförderliche wie auch umweltförderliche Entscheidungen zu treffen. Dies setzt Mut voraus, und Mut entsteht nur dort, wo das Individuum inwendig gestärkt wird und sich als frei empfindet.

Profilfeld III
Regionalität–Lebenspraxis–Handeln (kreativ)

Das Profilfeld Lebensbezug betont das lebenspraktische Tun und Handeln des Individuums, die Sinnfrage, die Einbettung in die eigene Lebenswelt, in Kreativität, Ideenreichtum, Tatkraft, Durchhaltevermögen und Motivation sowie die Integration der Zukunftsgestaltung. Hier offenbart sich Protestantismus im Sinne Luthers vermeintlicher Worte: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Christen sind aus ihrem Grundverständnis heraus angehalten, „in der Welt zu sein“. Der handelnde Mensch agiert mit dem Unbekannten, dem Unverfügbaren, er nimmt geistig das Gelingen vorweg. Dies erfordert Mut, Vertrauen und vor allem Vorstellungskraft.

Im Kontext von Medien allein sind Lernprozesse absolut verkürzt, entziehen sich der Erfahrung und dem Aufbau eigener Bilder. Das emotionale Lernen bleibt marginal, da tiefgehende Beziehungen zum Lerngegenstand ausbleiben. Es sind jedoch die Emotionen, die das Fundament für Verantwortungsübernahme und Engagement bilden. Wer nicht fühlt und liebt, wird sich auch nichts und niemand zuwenden. Dieser Zusammenhang offenbart sich in dem philosophischen Begriff „Entfremdung“ und prägt moderne Gesellschaften.

Die Teilhabe an dem hochkomplexen wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen, politischen und ökologischen Facettenreichtum unserer Gegenwart darf innerhalb authentischer Wirklichkeiten und Erfahrungsfelder nicht fehlen. Außerschulische Lern- und Bildungsorte bieten in dieser Hinsicht unverzichtbare, wertvolle Lern- und Handlungsanlässen.

 

3. Allgemeine methodisch-didaktische Grundlagen

Der/die Lernende bestimmt als agierendes, selbstverantwortliches Individuum den eigenen Lernprozess  unter dieser Perspektive gestaltet die Stephanus-Grundschule den Bildungs- und Lernort Schule aus. Der Mensch und damit auch sein Lernprozess sind stark interaktiv und sozial verankert. Lernvorgänge und Lernumgebungen werden zwar, soweit wie möglich, individuell ausgestaltet und angepasst und zielen auf ein hohes Anregungspotential, bleiben aber ohne Einbettung in eine gute Gemeinschaft relativ erfolglos. Der Kopf folgt der Seele und den Sinnen. Dabei sollen Anwendung und Transfer der Lerninhalte auch so gut wie möglich in einen realen Kontext eingebunden werden.

Wichtig ist, dass die Lernenden sich selbst mit allen Sinnen mit dem zu erlernenden Stoff befassen und so aktiv eigene Erfahrungen sammeln und aufbauen. Dabei muss auch die Verbalisierung von eigenen Denkprozessen und den daraus resultierenden Ideen und Vorstellungen stark gefördert werden. In der Gegenwart wird dieses konstruktivistische Lernverständnis vor allem durch neue neurophysiologische Erkenntnisse untermauert.

Die Stephanus-Grundschule stützt sich auf moderne Erkenntnisse des Deeper Learning (Sliwka) und der Achtsamkeitspädagogik. Kompetenzorientierung ebenso wie die Bildung für nachhaltige Entwicklung liefern wichtige Grundlagen. Die Stephanus-Grundschule legt auf eine moderne Ausrichtung wert, in der tradierte Elemente neu ihren Platz finden. Methodisch wird der Fokus vor allem auf Kommunikation, Kreativität, kritischen Denkprozessen und Kooperation liegen (4K-Regel), im Unterrichtsgeschehen ebenso wie in der Schulkultur.

4. Unterrichtsformen an der Stephanus-Grundschule

Die Stephanus-Grundschule wird methodisch und organisatorisch abwechslungsreich arbeiten, um sehr vielfältige Zugänge zu eröffnen und unterschiedliche „Lerntypen“ mitzunehmen. Hierzu zählen zentral die folgend beschriebenen Methoden.

Plangebundene Freiarbeit

Freiarbeit ist eine Form des individualisierten Unterrichts, in der die Lernenden das Thema, die Methode, den zeitlichen Umfang ihrer Arbeit, die Sozialform und den Einsatz der Lernmaterialien und Medien mitbestimmen können. In der Stephanus-Grundschule wird das Format einer gebundenen Freiarbeit umgesetzt, die auf der Grundlage von individuellen Plänen vorstrukturiert und sich aber auch situativ komplett öffnen kann. Lehrpersonen agieren in dieser Phase vor allem als Coaches und Beobachtende. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation, Selbstreflektion und Selbstwirksamkeit wird dadurch intensiv gefördert. Pausen werden in der Freiarbeit individuell gesetzt. Zeiten der Freiarbeit werden darüber hinaus durch Ankerplätze der gemeinschaftlichen Orientierung, Reflexion, Präsentation oder Würdigung ergänzt. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass Lehrende zusätzliche fördernde Angebote schaffen.

Lerngruppenunterricht

Neben der Freiarbeit bildet der Lerngruppenunterricht als „Klassenunterricht“ die Hauptform des täglichen Unterrichtes. Als darbietende, impulssetzende oder fragende Unterrichtsform, ob in Kreisform oder frontal, werden hier die didaktischen Handlungen von dem Lehrenden durchgeführt und gesteuert. Einführungen, Wissensorientierung, Ergebniskontrolle und Ergebnissicherung stehen im Mittelpunkt.

Projektorientierte Unterrichtssequenzen, Projektwochen und Projekttage

Projektlernen, Projekttage und Projektwochen sind wichtige Formate um selbstorganisiertes Lernen, lebenspraktisches Handeln und Prozessdenken zu befördern. Projekttage binden sich an den christlichen Jahreskalender und führen die Schulgemeinde in ihrer Ganzheit zusammen. Im Jahresmittel finden alle Fächer in Bezug zu ihrem Stundenumfang ihre Berücksichtigung.

Exkursionen (Lernen an anderen Orten) – außerschulischer Unterricht

Am Mittwoch werden der zweite und gegebenenfalls der dritte Arbeitsblock für außerschulische Erkundungen, praktisches Tun (Garten, Kochen, Werkstatt) und Bewegungsangebote vorgehalten. Durch die Exkursionszeit werden außerschulische Aktivitäten, externe Kooperationen sowie die Einbindung der Lernenden in eine reale Lebenswelt (Regionalpädagogik) gezielt begünstigt. Ebenso fließen hier außerschulische Sportangebote wie Wandern, Klettern, Schwimmen ein. Der Exkursionstag ist ein fächerverbindendes und epochales Strukturelement, in dem Sport, Sachunterricht, Deutsch und Religion verknüpft werden. Jedes Fach bietet einmal im Monat einen Ausflugstag an. In Form von Dokumentationen, Protokollen, Interviews oder Social Media-Einträgen werden Lernergebnisse gesichert, die als laufendes Exkursions-Tagebuch die Lernenden durch das Schuljahr begleiten. Die außerschulische Unterrichtstätigkeit erweitert den Horizont der Lernenden, die Selbsttätigkeit und die Verantwortungsübernahme in der Region.

Planarbeit

Wochenpläne strukturieren den Tages- und Wochenablauf der Lernenden im Rahmen der plangebundenen Freiarbeit. Im ersten Jahrgang werden die Lernenden schrittweise in die Lernmethode eingeführt. Hier werden Selbstorganisation, Selbstwirksamkeit und Reflexionsfähigkeit gefördert und gestärkt. Nach Jahrgang, Niveaustufe aber auch nach individuellen Fähigkeiten lassen sich Wochenpläne individuell ausfertigen und dem Lernstand des Kindes anpassen. Tages- und Wochenpläne helfen den Kindern, ihre Aufgaben zu dosieren, auf die einzelnen Zeiten zu verteilen und für sich eine Planung vorzunehmen. Die äußere Form der Pläne kann je nach Jahrgang und Kind variieren. Wochenpläne lassen sich bei Unterstützungsbedarf auf Tagespläne herunterbrechen. Planarbeit bahnt das Prozessdenken an. Auf der Grundlage von Plänen werden Lernende an der Zielsetzung und Zielerreichung aktiv beteiligt.

Stationslernen und Angebotstheken

Das Stationenlernen ist neben der Freiarbeit ein wichtiger Baustein der Unterrichtsorganisation. Beide Formen können ineinandergreifen und sich ergänzen. Die Lernenden durchwandern hier im eigenen Tempo und mit eigenen Schwerpunktsetzungen, sowohl inhaltlich wie auch methodisch, leistungsdifferenzierte Lernstationen. Der Abschluss einer thematischen Einheit beinhaltet die Erstellung einer Themenmappe oder gleichwertiger Ergebnis-Darstellungen (z.B. Präsentationen). Sicherungsphasen und sogenannte „Wurzelsätze“ begleiten den gesamten Arbeitsprozess. Stationenlernen beruht auf einem unterrichtsorganisatorischen Ansatz, der ebenso wie die Freiarbeit Selbstorganisation, Selbstwirksamkeit und Reflexionsfähigkeit fördert. Vor allem im Sachunterricht, in den Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften fördert Stationenlernen einen mehrperspektivischen, eigenverantwortlichen Wissenserwerb.

Materialarbeit

Ergänzend greift die Stephanus-Grundschule auch auf die Materialarbeit zurück. Sie wird in die Freiarbeit oder Stationenarbeit miteinbezogen, kann jedoch auch zur gänzlich freien Verfügung eingesetzt werden. Hier spielen vor allem Montessori-Materialien eine besondere Rolle. Damit wird den Kindern ein Instrument für den respektvollen Umgang mit eigenen Fehlern und Schwächen an die Hand gegeben, welches sie darin bestärkt, dass „Übung den Meister macht“ und ihnen Formen gibt, Lerninhalte „begreifen“ zu können.

Damit die Kinder selbstständig mit den Montessori-Materialien arbeiten können, werden diese in einer Darbietung eingeführt. Die Lehrperson präsentiert das Material einem einzelnen Kind oder kleinen Gruppen. Die Materialdarbietung ist ein Ritual, das vor allem das Sehen und Nachmachen fördert. Dazu gehört auch das Aufräumen des Materials, so dass die äußere Ordnung im Raum nach dem Ende einer Arbeit stets wiederhergestellt ist. Auch digitale Medien werden in diesem Zusammenhang dargeboten.

Stille- und Achtsamkeitsübungen

Verschiedene Achtsamkeitsübungen finden als kurze Sequenzen in Verbindung mit der Kreisarbeit im Unterricht ihre Anwendung. Hier gelten vor allem drei Formen:

1. Stille, 2. Visualisiertes Lernen (Visualisierung und Wiederholung von Lerninhalten), 3. Wahrnehmungsübungen (Beobachtung und Beschreibung).
Achtsamkeitsübungen sind Zeiten höchster Konzentration und Besinnung. Vorstellungskraft, Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen werden dadurch gestärkt. Vielfalt und Komplexität unserer Gegenwart bergen die Gefahr, in Unübersichtlichkeit und Überstimulierung unterzugehen. Achtsamkeitsübungen wirken dem entgegen und stärken den inwendigen Menschen. Hier greift das Zitat Albert Einsteins: „Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen“. Unsere Lernprozesse werden überwiegend von außen gesteuert durch Veranschaulichung und Materialangebote. Visualisierungen wirken gegen diese Einseitigkeit und ermöglichen Zugänge von innen heraus. Sie stärken die Kreativität und Fantasie des Menschen und fördern Selbstwirksamkeit.

Portfolio

In den Jahrgangsstufen 1 bis 4 wird verbindlich mit Portfolios gearbeitet. Im Schwerpunktfach Ordnung werden die Lernenden wöchentlich dazu aufgefordert, ein gelungenes „Werk“ ihrer Wochenarbeit fachunabhängig auszuwählen und auszuhängen. Nachfolgend werden die Werke in einer Portfolio-Mappe gesammelt. Portfolios dienen der Selbstreflexion und bilden Lernfortschritte ab. Sie stärken die Selbstwirksamkeit und tragen dazu bei, sich auf Wesentliches und Gelungenes zu konzentrieren. Sie fokussieren das eigene Können und individuelle Stärken.

5. Merkmale der Schulkultur an der Stephanus-Grundschule

Mahlzeiten

In den Jahrgangsstufen 1 bis 4 wird verbindlich mit Portfolios gearbeitet. Im Schwerpunktfach Ordnung werden die Lernenden wöchentlich dazu aufgefordert, ein gelungenes „Werk“ ihrer Wochenarbeit fachunabhängig auszuwählen und auszuhängen. Nachfolgend werden die Werke in einer Portfolio-Mappe gesammelt. Portfolios dienen der Selbstreflexion und bilden Lernfortschritte ab. Sie stärken die Selbstwirksamkeit und tragen dazu bei, sich auf Wesentliches und Gelungenes zu konzentrieren. Sie fokussieren das eigene Können und individuelle Stärken.

Tauschbörsen

Mit Blick auf den Nachhaltigkeitsgedanken sollen in den Lernkontexten der Stephanus-Grundschule das Konsumverhalten und die Möglichkeiten des Recyclings besonders behandelt werden. Neben thematischen Auseinandersetzungen im Unterricht gehören Tauschbörsen zum schulischen Alltag. Weitere Tauschbörsen werden in Kooperation mit der Kirchengemeinde entstehen. Lernende der oberen Jahrgänge sollen hier im Rahmen des Verantwortungslernens tätig werden.

Gemeinsam nutzen, gemeinsam achten

Materialien wie Scheren, Buntstifte, Papier etc. stehen als Klassensätze bereit. Die Stephanus-Grundschule verfolgt das Ziel, bewusst und verantwortlich mit Ressourcen und Dingen umzugehen. Persönliches Eigentum wird so weit wie möglich reduziert. Nachhaltigkeitsziele sollen aktiv umgesetzt werden.

Lebenspraktisches Tun im Unterricht und ergänzendes Neigungsfächern (Nachhaltigkeit)

Alle Lehrenden werden dazu angehalten, lebenspraktisches Tun und manuelles Lernen in die alltägliche Unterrichtsarbeit einzubeziehen. Nicht nur im Nachmittagsbereich sollen Tätigkeiten wie Bastelarbeiten, Handarbeiten, Gartenbau, Holzarbeiten oder Haushaltstätigkeiten integriert werden. Insbesondere Experimente und auch Versuchsreihen sollen einen festen Platz haben. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wählen sich Lernende ein verbindliches Neigungsfach mit den beiden Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Lebenspraxis, welches das Unterrichtstableau der Stephanus-Schule erweitert und der schulspezifischen Gesamtausrichtung Deutlichkeit verleiht.

Religiös-spirituelle Formen und Angebote

Als Bekenntnisschule ist die Stephanus-Schule religiös-spirituell ausgerichtet. Gottesdienste, Zeiten der Stille und Besinnung im Schulalltag, Rituale, christliche Festtage, Kooperationen mit verschiedenen Kirchengemeinden und Religionsunterricht macht dies sichtbar. Besondere Lebensereignisse wie Trennung der Eltern oder Todesfälle werden religiös und achtsam von der Schulgemeinde aufgefangen. Ebenso finden Lehrer:innenandachten, Chorsingen oder seelsorgerische Gespräche statt. Die Pfarrerin und der Pfarrer sowie der Kantor von Pritzwalk begleiten die Schule eng. Pädagog:innen werden wiederum in ausgewählten Gottesdiensten als Prediger:innen beteiligt. Die enge Verzahnung der Schule mit der ortsansässigen Kirchengemeinde wird die Schulkultur prägen.

6. Besondere Lerninhalte

Fächer, Inhalte und Kompetenzen werden an der Stephanus-Grundschule nach den Grundlagen des Brandenburger Rahmenlehrplans unterrichtet und in den dazugehörigen Stundenplänen vollständig abgebildet. Abweichungen spiegeln sich vor allem in der methodischen Umsetzung und Organisation wider. Darüber hinaus arbeitet die Stephanus-Grundschule mit folgenden inhaltlichen Schwerpunktsetzungen und ergänzenden Angeboten.

Sachunterricht als Schwerpunktfach

Dem Fach Sachunterricht wird eine besondere Rolle beigemessen. Die Stephanus- Grundschule behält sich vor, dass Fach Sachunterricht mit ergänzenden Schwerpunkten zu besetzen. Sachthemen sollen zentral in den Lernalltag eingebettet werden, angrenzende Fächer mitintegrieren und diese inhaltlich mitstrukturieren. Ein schulischer Themenplan ermöglicht Transparenz und inhaltliche Anschlussfähigkeit. Darüber hinaus wird das Fach Deutsch im Rahmen von zwei Wochenstunden mit dem Sachunterricht verknüpft. Die sachunterrichtlichen Themenfelder weisen Bezüge zu den fünf Perspektiven des Sachunterricht auf: sozialwissenschaftliche, naturwissenschaftliche, geografische, historische sowie technische. In der Inhaltssetzung weicht die Stephanus-Grundschule nicht vom Brandenburger Rahmenlehrplan ab, fokussiert jedoch zusätzlich das fachübergreifende Thema Nachhaltigkeit, greift biblische Bezüge auf und gliedert nach eigenen Schwerpunkten.

Wirtschaft-Arbeit-Technik und Schwerpunktfach Verantwortung

Das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik (W-A-T) wird in den Jahrgangsstufen 5 und 6 mit einer Wochenstunde angeboten und eng mit dem Schwerpunktfach Verantwortung (3 Stunden) fächerübergreifend verknüpft. Es soll die ganzheitlichen Fähigkeiten der Schüler:innen fördern, lebenspraktische Handlungsabläufe sichern, Verantwortungsübernahme und diakonisches Handeln etablieren. Eine komplexe Beschäftigung mit technischen, ökonomischen, sozialen, diakonischen und ökologischen Zusammenhängen der Arbeitswelt und Lebenswelt soll den Schülerinnen und Schülern dabei helfen, neben dem Fachwissen auch grundlegende Kompetenzen wie Problemlösungsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit und Kreativität zu erwerben. Sie sollen in die Lage versetzt werden, Probleme in der Berufs- und Wirtschaftswelt, in der Diakonie und dem Haushalt zu erfassen, für sich eigene Ziele zu setzen und diese umzusetzen.

Die Fächer bieten eine grundlegende diakonische, berufliche und lebenspraktische Orientierung und bahnen bei den Lernenden Handlungssicherheit, Selbstwirksamkeit, und Verantwortungsübernahme an. Darüber hinaus verankert sich das lernende Kind in seiner Region, Kommune und Kirchengemeinde und nimmt sich als Teil einer komplexen Gesellschaft wahr. Der Unterricht im Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik und im Schwerpunktfach Verantwortung findet sowohl im Schulhaus und anhand dortiger Betätigungsfelder wie bei Patendiensten, in Mensa, Garten oder Küche statt als auch in außerschulischen Lernorten statt wie dem Weltladen, dem Begegnungsort EKIDZ MiteinanderRaum, dem Seniorenheim der Stephanus-Diakonie, in Kindergärten oder auch Familiendiensten. Hier wird ein Netz von Kooperationspartner:innen geprüft und aufgebaut. Theoretische Anteile wechseln sich mit praktischem, anwendungsbezogenem Lernen ab. Methodisch-didaktisch steht das Projektlernen im Vordergrund und mit ihm eine gezielte Ausdehnung auf außerschulische Lernorte. Beide Fächer ergänzen einander. Fördert das Fach Verantwortung den eigenen praktischen Dienst für die Gemeinschaft, so stützt das Fach W-A-T eine umfassende Berufsorientierung.

Die Schüler und Schülerinnen begegnen im Rahmen beider Fächer verschiedenen Arbeitswelten wie aber auch kirchlichen/diakonischen und gemeindlichen Strukturen. Sie lernen grundsätzliche gesellschaftliche Funktionsabläufe kennen und bekommen ein Gefühl von Mitarbeit, Verantwortung und Teilhabe. Sie erfahren sich als Bestandteil einer gesellschaftlichen Gemeinschaft. Gleichzeitig bereiten die Fächer auch auf die eigenverantwortliche Lebensführung im eigenen Privatbereich vor. Tätigkeiten im Haushalt, Begleitung von Bedürftigen im familiären Kontext sowie die Entwicklung von Hobbys wie Kochen oder Gartenarbeit werden angebahnt. Zu diesen Grundlagen gehören auch das Nachvollziehen technischer Entwicklungen sowie anwendungsbezogener Prinzipien technischer Systeme. Gleichzeitig entwickelt sich eine ökonomische Perspektive. Der Einsatz von Zeit und Ressourcen führt zu realen Produkten wie z. B. Marmeladen, die wiederum verwertet werden können.

Ordnungsmanagement

In den Jahrgängen 1 bis 4 wird Ordnung/Ordnungsmanagement als zusätzliches Schwerpunktfach angeboten. Das Fach wird einmal in der Woche unterrichtet und stützt alle Fächer der unteren Jahrgangsstufe. Grundlegende Kompetenzen, die Lernen fördern und die Voraussetzungen dafür schaffen, werden hier angewandt und angebahnt. Das Fach wird ausschließlich anwendungsorientiert unterrichtet und stützt den Aufbau grundlegender Fähigkeiten ohne inhaltliche Einbettung.

Evangelische Religion

Religionsunterricht gehört zentral zum Profil der Stephanus-Grundschule. Der Unterricht ergänzt die Gesamtausrichtung der Schule und verfolgt verschiedene Ziele. Religiöse Sprachfähigkeit, persönliche Vergewisserungen, interreligiöses Lernen, kulturelles Lernen und ethisch-philosophisches Lernen kommen hier zum Ausdruck. Das Fach korrespondiert mit dem Fach Sachunterricht/Gesellschaftswissenschaften und schafft Bezüge zu den Fächern Kunst und Musik.

Religion wird mit einer Wochenstunde fest in den Lerngruppen unterrichtet und ist am Mittwoch als lerngruppenübergreifender Unterricht in Form von Gottesdienst oder anderen spirituellen Formaten ein festes Element der Schule (Teilhabe gestalten). Religion gestaltet verbindlich die Oster-Projekt-Woche.

Neigungskurse

Zentrale Themen und Lernfelder der Nachhaltigkeit werden in unterschiedlicher Form als verbindliches Kursangebot lerngruppenübergreifend angeboten. Nachhaltige Schüler:innenfirmen, die ökologische Ausgestaltungen von Gartenräumen, vegane Kochkünste oder Bauen mit natürlichen Rohstoffen können beispielsweise als Kursangebote platziert werden. Schüler und Schülerinnen wählen sich für ein Schuljahr in das Angebot ein.

Schulchor

Der Schulchor ist ein verbindliches einstündiges Angebot. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen steigern Singen, Musizieren und Tanzen den Gemeinschaftsgeist und kooperatives Handeln. Musik ist seit Jahrhunderten eng mit Religion verbunden und gehört zu den grundlegenden Ausdrucksformen. Der Schulchor bedient ebenso einen ganzheitlichen Bildungsansatz.

Schülerrat

An der Schnittstelle zwischen Unterricht und Nachmittagsbetreuung findet einmal in der Woche verbindlich der Schülerrat statt. Hier wird demokratisches Denken und Handeln angebahnt, Kommunikation gefördert, aber auch der Kollektivgeist gestärkt. Schule sollte vor allem ein Lebensort sei, an dem Kinder und Jugendliche sich beheimatet fühlen und den sie mitgestalten können.

7. Formate der Leistungserfassung und Bewertung

Alle Kinder lernen in einem individuellen Setting, das sich zeitlich, organisatorisch, sozial und inhaltlich an dem Brandenburgischen Rahmenlehrplan, dem evangelischen Profil und der Individualität des Kindes orientiert. Leistung wird als Potentialerfassung verstanden. Jedes Kind kann sich mit seinen Anlagen optimal entfalten. Es lernt dabei so umfassend wie möglich die Inhalte und Kompetenzen der ausgewiesenen Fachgebiete und übergreifende Ansprüche. Im Sinn von Johann Amos Comenius werden Fähigkeiten, Wissensbestände und Informationen allumfassend vermittelt.

Entsprechend der kompetenzorientierten Ausrichtung der Stephanus-Grundschule bilden die Ausgestaltung der Lernumgebung, die genaue individuelle Diagnostik und Beobachtung jedes Kindes, eine ausgeprägte Feedback-Kultur sowie differenzierende Planarbeit die wesentlichen Grundlagen für die Erfassung des individuellen Entwicklungsstandes und einen steten Lernfortschritt. Zur Reflektion und Bewertung gehören mündliche, schriftliche und praktische Ebenen und Beiträge, die auf der Grundlage von klar definierten Zielen, Standards und Kompetenzstufen zu bewerten sind, dazu. Durch gezielte Differenzierung werden verstärkt individuelle Bezugsnormen geschaffen, die jedem Kind ermöglichen, so weit wie möglich mit Erfolg zu lernen und damit Lernfreude und Lernneugier bestmöglich aufrechtzuerhalten. Damit werden Lernende im oberen und unteren Leistungsspektrum verantwortlich mitgenommen.

Lernentwicklung und Ergebnisdokumentation

Die Erfahrungen reformpädagogischer Ansätze und neurobiologische Erkenntnisse machen deutlich, dass Kinder auch ohne ständige äußere Einwirkung aktiv tätig sind, sich Ziele setzen und in einem eigenen Rhythmus zwischen Arbeit und Pausen lernen. Diese natürlichen Fähigkeiten werden an der Stephanus-Grundschule aufgefangen und ausgebaut. Durch vielfältige Selbstkontrollmöglichkeiten (am Material), Formen der Selbsteinschätzung, Lerngespräche, die beständige Einübung einer lerngruppenübergreifenden Feedback-Kultur, sollen die Lernenden befähigt werden, die eigene Lernarbeit selbständig zu reflektieren und einzuschätzen und eine intrinsische Motivation aufbauen. Durch das Einüben der Selbstkontrolle, die weder Lob noch Tadel fördert, konzentrieren sich Lernende vor allem auf den Sachgegenstand. Lernen muss sich sachorientiert ausrichten. Schon Comenius verwies auf die Zentralstellung der Dinge (res). Beständige Notengebung, Lob und Kritik tragen dazu bei, den Lernprozess, die Freude an der Sache zu schmälern und eine konsumorientierte, auf Noten fixierte Lernhaltung zu entwickeln und extrinsisch abhängig zu werden.

Reflexion, Lernstandserfassung, Korrektur und Kontrolle kommen in verschiedenen Settings zum Ausdruck.

Ziel der Leistungsermittlung ist die Feststellung des aktuellen Kompetenzniveaus gemessen an den Vorgaben der Rahmenlehrpläne und weiterer geeigneter curricularer Materialien. Die Leistungsbewertung umfasst die Leistungsermittlung, die Leistungsbeurteilung und die Mitteilung des Ergebnisses an die Kinder sowie an deren Eltern.

Mit zusätzlichen Elementen einer prozessbegleitenden Lern- und Entwicklungsdokumentation bietet die Stephanus-Grundschule eine hohe Transparenz und richtet das Augenmerk verstärkt auf die Stärken und Erfolge der Einzelnen und weniger auf Defizite, die sich durch den tradierten „Gesamtvergleich“ ergeben. Lernende geben von sich aus das Beste, und dies gilt es zu würdigen und positiv auszubauen, soweit es die Rahmenbedingungen ermöglichen.

Eine regelmäßige Bewertung und Beurteilung des Erbrachten und die Einschätzung von Wissen, Können und Fertigkeiten sowie das Abbilden von Entwicklungsfortschritten des Kindes erfolgen bis Ende der 4. Jahrgangsstufe nicht über Ziffernoten, sondern über eine verbindliche Kompetenzerfassung, die sich an den Zielen der Schule für gemeinsames Lernen orientiert.

8. Die formale Organisation der Schule

Zügigkeit

Die Stephanus-Grundschule ist als ergänzendes, christliches Angebot zu verstehen und ergänzt die Bildungslandschaft. So werden pro Jahrgang in der Regel 12 Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Eine Ausnahme bildet das Eröffnungsjahr 2022. Eltern können sowohl für den ersten wie auch zweiten Jahrgang ihre Kinder einschulen. Damit erreicht die einzügige Grundschule mit 72 Lernenden ihren Ausbau. Die Jahrgänge werden in Doppelstufen zusammengefasst, so dass insgesamt drei Lerngruppen gebildet werden: 1 und 2, 3 und 4 sowie 5 und 6.

Durch jahrgangsübergreifende Unterrichtsanteile lösen sich die homogenen Klassenstrukturen auf. Es wird angestrebt, die „Schulgemeinde“ als Platz der Identifikation und Beheimatung im Sinne der Jenaplan-Pädagogik zu stärken und Verantwortungsgefühl innerhalb eines größeren Systems zu verankern.

Tagesstruktur

7:15 Uhr – Die Schüler und Schülerinnen können ab 7:15 Uhr das Lernhaus betreten, orientieren sich und beginnen individuell mit ihrer Lerntätigkeit. Diese Zeit gibt Raum für einen zusätzlichen Austausch auch mit den Eltern. Ein ergänzendes Frühstücksangebot steht bereit, was bei Bedarf individuell zum eigenen Pausenbrot genutzt werden kann.

8:00 Uhr (Arbeitsblock I) – Hier tritt die Gemeinschaft zusammen. Eine ritualisierte Morgenrunde beginnt. Ankommen, Wahrnehmen, Fokussieren auf Tätigkeiten, Aufgabenbesprechung, Anleitungen und Einführungen finden hier ihren Platz. Die anschließende gemeinsame Arbeitsphase beinhaltet je nach Tagestruktur Instruktionen oder Übungen und Anwendungen.

9:30 Uhr – Die erste Pause beginnt mit einer gemeinsamen Frühstückszeit je nach Wetterlage im Innen- oder Außenbereich. Anschließend können die Kinder die Freizeit- und Bewegungsbereiche nutzen.

10:00 Uhr (Arbeitsblock II) – Die zweite Arbeitsphase beginnt. Orientierung und Instruktionen erfolgen erneut in Kreisform. Hier werden als besonderes methodisch-didaktisches Mittel Achtsamkeitsübungen eingebaut. In dem zweiten Arbeitsblock finden vor allem auch Vorträge, praktische Schwerpunkte, Lernkontrollen und Präsentationen Raum. Der Fachunterricht wird vor allem im zweiten und dritten Arbeitsblock verankert.

11:30 Uhr Mittagsband – Mittagessen und Freizeit finden in einem langen Mittagsband von 11.3013.00 Uhr statt, was zusätzlichen Raum eröffnet für interne Verabredungen von Lerngruppen, Team-Absprachen oder zusätzliche Förderangebote sowie Essen in mehreren Durchgängen. Auch schulspezifische Rituale, wie Weihnachtssingen in der Adventzeit lassen sich hier einbauen.

13:00 Uhr (Arbeitsblock III) – Die dritte Arbeitsphase betrifft vor allem die Jahrgänge 5 und 6. Hier findet verstärkt Fachunterricht statt. In den unteren Klassen bietet der Hort erste AG-Angebote oder Aufgabenzeiten an.
Mittwochs werden jahrgangsübergreifende Exkursionen angeboten, freitags finden Schülerrat oder Vollversammlung statt, ebenso das Schwerpunktfach Ordnungsmanagement und Neigungskurse, die Fragen und Kompetenzen von Nachhaltigkeit in den Blick nehmen.

14:30 Uhr – Die Lernenden beenden den Schultag oder können in den Hort wechseln, dort an Themen weiterarbeiten, Aufgaben erledigen, ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen oder in einer der angebotenen Arbeitsgemeinschaften oder mitwirken.

Um 16.30 Uhr endet spätestens der Tag.

Beispielhafte Stundenplanung für Doppeljahrgangsstufe Jahrgang 1 und 2

Jahresstruktur

Die Stephanus-Grundschule orientiert sich an der Ferienregelung des Landes Brandenburg. Die Fest- und Projekttage werden sich am christlichen Festtagskalender orientieren. Damit tragen Projekttage und Projektwochen wesentlich dazu bei, dass das evangelische Gesicht der Schule nach außen deutlich wird. Projekttage werden von der ganzen Schulgemeinschaft zur Adventszeit (2 bis 3 Werkstatttage) und in der Pfingstzeit als sogenannte Pilgertage (Wandertage) durchgeführt. Pilgern ist für die Prignitz unter historischem Blickwinkel überaus bedeutsam, damit wird vor allem auch der Regionalbezug gestärkt.

Aus christlicher Perspektive stehen die Ostertage im Zentrum der christlichen Botschaft. Im Rahmen der Ostertage findet eine religiös-philosophische Projektwoche statt. Um den Nachhaltigkeitsgedanken zu stärken findet eine zweite Projektwoche als Schulfahrt fächerverbindend kurz vor den Sommerferien statt. Die Schulfahrten sollen, wenn möglich von der ganzen Schulgemeinschaft durchgeführt werden. Sie werden inhaltlich gestaltet und dienen als Unterrichtsform.

Im Jahresverlauf wird der christliche Festtagskalender sich vor allem auch durch kürzere Projektzeiten, die an einzelnen Tagen stattfinden oder sich auf einzelne Blöcke beziehen, berücksichtigt werden. So finden Vier Tage der Schöpfung (in Verbindung mit Erntedank, Fastenbeginn, Ostern und Sommerzeit) statt, Projekte zur Reformationszeit und zum Weltgebetstag. Schulorganisatorisch werden Projektzeiten eng mit den Exkursionszeiten am Mittwoch verknüpft, so dass die Wochenstruktur nur in Ausnahmefällen verändert wird. Die Projektzeiten werden mit der Pritzwalker Kirchengemeinde vorbereitet und gestaltet.

Aufnahmeverfahren

Für die Aufnahme werden jeweils in der Zeit zwischen dem 1. September vor dem Aufnahmejahr und dem 15. März im Aufnahmejahr Anmeldungen entgegengenommen. Falls das Kind vor diesem Zeitraum angemeldet wurde, ist dies innerhalb des genannten Zeitraums noch einmal schriftlich zu bestätigen. Vor der Entscheidung für die Aufnahme eines Kindes findet ein Aufnahmegespräch statt. Zu diesem werden Eltern eingeladen. Das Gespräch soll Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen, zur Klärung offener Fragen und Erwartungen bieten sowie Einsichten über den allgemeinen Lernstand des Kindes ermöglichen. Die Schule behält sich vor, Kinder vor diesem Gespräch zu besonderen Unterrichtssituationen einzuladen.

Die Entscheidung über die Aufnahme erfolgt auf der Grundlage des Aufnahmegesprächs, vorbehaltlich des Ergebnisses der schulärztlichen Stellungnahme und der Unterrichtsbeobachtungen.

Kriterien, die in Einzelfällen als zusätzliche Entscheidungshilfe herangezogen werden, sind:

  • Geschwisterkinder werden berücksichtigt
  • ebenso Kinder von Mitarbeitenden
  • Familien mit Bindung zu einer Kirche der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) und Familien anderer Konfessionen oder Konfessionslosigkeit sollen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinanderstehen.
  • Eine umfangreiche ehrenamtliche Tätigkeit im kirchlichen Sektor kann Berücksichtigung finden.
  • Darüber hinaus wird auf ein möglichst ausgewogenes Verhältnis von Mädchen und Jungen geachtet.
  • Ebenso sollten in jedem Doppeljahrgang nach Möglichkeit auch Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgenommen und eine besondere kulturelle Vielfalt berücksichtigt werden.

Übersteigt die Anzahl der Aufnahmeanträge die Anzahl der zu vergebenden Plätze entscheidet das Los.

Für Kinder, die über einen Seiteneinstieg in die Schule aufgenommen werden, gilt die Absolvierung einer Probewoche, bei der sich die Kinder mit dem besonderen Konzept und den Unterschieden zur bisher besuchten Schule auseinandersetzen. Nach einem ausführlichen Gespräch am Ende der Woche gemeinsam mit den Eltern, der Schulleitung und der verantwortlichen Lehrkraft können sich Schule und Familie für- oder gegeneinander entscheiden.

Der Schulwechsel an eine weiterführende Schule wird von den Pädagog:innen sehr eng beraten und begleitet. Sollte ein Schulwechsel vor Abschluss der 6. Klassenstufe gewünscht sein, werden die Eltern gebeten, diesen rechtzeitig anzukündigen, um gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, die dem Kind den Übergang erleichtern können. Die Stephanus-Grundschule wird in Kontakt mit der aufnehmenden Schule treten, um die erforderlichen Unterlagen bereitzustellen.

Der Übergang zu weiterführenden Schule

Die Grundschulzeit bereitet den Übergang in die Sekundarstufe 1 vor. Die Dauer des Grundschulbesuchs beträgt dabei in der Regel 6 Jahre. Auf der Grundlage der brandenburgischen Vorgaben wird von den hauptverantwortlichen Pädagog:innen unter Zuarbeit des Kollegiums für jede Schülerin und jeden Schüler der Entwurf eines Grundschulgutachtens erstellt.

Eltern und Elternarbeit

Im Konzept der Stephanus-Grundschule ist die Elternarbeit ein wichtiger Bestandteil. Schule, Eltern und Lernende verstehen sich als Lerngemeinschaft.

Dem Familienleben eines jeden Kindes wird besondere Beachtung geschenkt, weil es sein Verhalten und Interesse in der Schule wesentlich beeinflusst. Darum suchen und pflegen die Pädagog:innen den intensiven Kontakt zu den Eltern. Dieser ist notwendiger Bestandteil der Schulphilosophie. Die Eltern sind Partner:innen und Beratende, sie nehmen Einfluss und bestimmen die Geschehnisse an der Grundschule aktiv mit. Elternabende finden mindestens dreimal im Jahr statt. In diesem Rahmen werden zwei Elternvertreter:innen gewählt.

An der Stephanus-Grundschule wird eine Elternkonferenz einberufen. Darüber hinaus werden von allen Familien Elternarbeitsstunden geleistet. In folgenden Bereichen können diese geleistet werden:

  • Teilnahme und Vorbereitung öffentlicher Veranstaltungen,
  • Fundraising,
  • Öffentlichkeitsarbeit,
  • Mitgestaltung und Begleitung von Festen, Klassenfahrten und Exkursionen,
  • Gebäude- und Rauminstandhaltung,
  • Engagement als Elternvertreter,
  • Einbringen von Talenten, Interessen und Hobbys in pädagogische Angebote und in der Ausgestaltung von Elterntagen,
  • Mitarbeit im Förderverein,
  • Zusammenarbeit mit Kirchenkreis, Kirchengemeinde oder Kommune

Ausformungen der Elternarbeit

Eltern-Lehrtag: Pro Schulhalbjahr wird ein Elterntag durchgeführt. Eltern sollen hier in Form von besonderen Angeboten, der Vorstellung von Berufsbildern oder Freizeitaktivitäten zur besonderen Bildung der Schülerinnen und Schüler beitragen. Diese Tage werden parallel vom überwiegenden Teil des Kollegiums als pädagogische Tage zur gemeinsamen Schulentwicklung genutzt.

Elternschule: Die Stephanus-Grundschule Pritzwalk bietet einmal im Jahr eine Elternschule an, die von den Pädagog:innen, den Schülerinnen und Schülern und dem Förderverein ausgestaltet wird. Eltern sollen die Chance haben, transparent in das pädagogische Konzept der Schule eintauchen zu können.

Hospitationstag: Einmal in Monat bietet die Schule den sogenannten „Einblick-Tag“ an, an dem Eltern und andere Interessierte hospitieren können und Schüler:innen den Eltern vor Ort ihre Schule und ihre Arbeiten präsentieren.

Eltern-Café: Als Abschluss des Exkursionstages wird einmal im Monat am Mittwoch im Anschluss an den Gottesdienst ein Eltern-Café stattfinden. Dies soll von Eltern, dem Förderverein aber auch älteren Schüler:innen mitorganisiert werden.

Pädagogische Abende: Bei Bedarf und Interesse strebt die Stephanus-Grundschule an, besondere pädagogische Abende auszugestalten, um Eltern vertiefend in pädagogische und religiöse Grundfragen hineinzunehmen. Diese Abende können auch als Filmabende organisiert werden.

Arbeitseinsätze: Eine Schule im Aufbau ist im Innen- und Außenbereich auf die praktische Hilfe von Eltern angewiesen.

Elternvertretungen: In jedem Doppeljahrgang werden Elternvertreter:innen gewählt. Sie sind entsprechend des Brandenburgischen Schulgesetzes in der Schulkonferenz vertreten. Die Elternvertreter:innen organisieren die Einladungen der Elternabende, vertreten die schulischen Interessen aller Eltern der jeweiligen Klassenstufe, sind Ansprechpartner für Hinweise, Probleme und Ideen anderer Eltern und verantwortlich für die Organisation der Eltern-Lehrtage, Arbeitseinsätze und mitverantwortlich für besondere schulische Projekte oder Aktionen. Sie stehen im engen Kontakt zum Förderverein der Schule.

Teil der Gemeinschaft: Die Stephanus-Grundschule versteht sich als eine feste Gemeinschaft zwischen Lernenden, Lehrenden und Eltern. Die Pädagog:innen stehen den Eltern zum steten Dialog zur Verfügung. Sie bieten in einem festen Rhythmus verbindliche Elternsprechzeiten an. Das monatliche Elternkaffee bietet als offene und unkomplizierte Begegnungsstätte Gelegenheit zum zusätzlichen Austausch. Gemeinsame Lernstands- und Entwicklungsgespräche finden halbjährlich mit dem Kind, den verantwortlichen Pädagog:innen und den Eltern statt.

Gremien der Mitwirkung

Die Mitwirkungsgremien der Stephanus-Grundschule entsprechen komplett den Vorgaben des Brandenburgischen Schulgesetzes.

Grundsätzlich wird die Evangelische Stephanus-Grundschule alle notwendigen Gremien der Teilhabe in ihren Strukturen nach den Vorgaben des Schulgesetzes einrichten, diese ordnungsgemäß besetzen und die vorgeschriebenen Aufgaben wahrnehmen.

 

Pritzwalk, November 2021

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